Sonntag, 7. September 2014

Ronny Riese vom Dusterwald,Teil 16



Im Nachtwald
In dieser Nacht hatte er schlecht geschlafen, denn in Gedanken war Ronny bei seinen Eltern, die es zwar nicht leiblich waren, aber er hatte ja nie andere gekannt.
Wie würde es ihnen jetzt gehen? Wie sehr vermissten sie ihn, und in welcher Gefahr schwebten sie jetzt?
Am Abend hatte Lusaga gesagt: “Du kannst deine Eltern retten, indem du deine Mission erfüllst.“ „Meine Mission erfüllen!“, hatte er abschätzig gesagt „Sie sind in Gefahr, ich müsste bei ihnen sein!“ „Und dann?“ ,antwortete Lusaga ruhig. „Glaubst du ,du könntest dann dem Schattenfürsten widerstehen? Nein, das könntest du nicht. Ihre Gefahr ist der Schattenfürst, doch er hat nichts davon sie zu töten. Er wird versuchen, sie als Druckmittel gegen dich zu benutzen.“ „Aber was soll ich dann tun?“ „Du wirst es wissen, wenn es soweit ist. Dein Herz wird dich die richtige Entscheidung treffen lassen.“
So richtig überzeugt war er nicht davon, und als er einschlief ,hatte er einen entsetzlichen Traum. Vor sich sah er seine Eltern, die vom Schattenfürsten in einem Wirbel schwarzen Rauches mitgerissen wurden. Er versuchte zu ihnen zu kommen, sie zurück zu ziehen, doch es war ,als wäre eine unsichtbare Wand zwischen ihnen, die ihn hinderte ,und so musste er  zusehen ,wie sie verschwanden, ihre Hilfeschreie im Ohr.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück, standen sie hinter Lusagas Haus .Ronny, Thore, Lusaga, und ein Wolf ,der Nachricht von Grauwyn gebracht hatte. Schwarzkleid, der Rabenkönig saß auf Lusagas Schulter.
„Dies“, sagte Lusaga und wies auf die dunkle Wand aus Bäumen und Dickicht vor ihnen, „ist der Nachtwald. Manch unheimliches Geschöpf wohnt darin, doch es gibt keinen anderen Weg ,ihr müsst ihn durchqueren. Wenn ihr nach oben blickt, könnt ihr in der Ferne euer Ziel sehen.“ Sie wies nach oben ,und sie folgten ihrem Blick.
Dort ,weit entfernt ,zwischen Nebelschwaden, war ,zwischen den Baumwipfeln die spitze eines Berges zu erkennen. Schemenhaft und schwarz.
„Der Nachtberg. Doch zuerst müsst ihr das Hexengrab erreichen. das Grabmahl der alten Lykka, die einst Königin der Hexen vom Brocken war. Es liegt etwa einen Tagesmarsch nördlich von hier, und ist ein wichtiger Wegweiser zum Nachtberg. Doch seht euch vor, es ist ein dunkler, vom Bösen beherrschter Ort. Achtet auf meine Diener ,sie weisen euch den rechten Weg, und nun Viel Glück !“ Sie verabschiedete sich von Ronny und Thore, die etwas zittrigen Schrittes den Weg  ins Ungewisse antraten. Dann wandte sie sich an den Wolf: “Geh zurück  Ronnys Freunden, und sag Grauwyn und Rotpelz ,sie sollen die ihrigen sammeln. Der dunkle Sturm bricht bald los. Wenn Ronny sein Ziel erreicht hat, braucht er Schutz, damit er wieder zurück kommt. Sie sollen so bald wie möglich hier sein, und Baugin, Fenrick und Lichtfang bringst du das hier.“ Sie zog ein Päckchen aus einer Tasche ihres Kleides, und hielt es ihm hin. Er  nahm es ins Maul, und stob davon. „Und du“, sagte sie an den Raben auf ihrer Schulter gewandt „fliegst zu Lucina, und gibst ihr Nachricht, das Ronny im Nachtwald ist.“ Der Rabe erhob sich und flog davon.
Ronny und Thore schritten langsam den Weg in den Nachtwald hinein. Täuschte er sich oder war es hier drinnen plötzlich kälter geworden? Auch dunkler war es kein Sonnenstrahl schien durch das Dickicht hindurch zu finden. Auch wirkten die Bäume hier weniger grün, sondern eher schwarz, und kein Vogelzwitschern war mehr zu hören, als ob sie den Wald meiden würden, weil er-böse war? Gab es so etwas, böse Orte?
Sie folgten dem schmalen Pfad durch den Wald der kälter, dunkler und bedrohlicher wirkte, je tiefer sie in ihn eindrangen. Die Bäume am Rand wirkten wie ungeheuer, die jeden Moment angreifen konnten, hier da war immer wieder ein Rascheln oder ein bedrohliches Knurren zu hören. Unwirklich und düster wirkte alles ,und drückte  auch auf ihre Laune.
Hier und da ,saß ein Rabe oder eine Eule auf einem Ast und zwinkerte ihnen zu, so das sie Gewissheit hatten, auf dem richtigen Weg zu sein. So marschierten sie bis Abends durch diesen unheimlichen Wald, der mit jedem Schritt unheimlicher wurde, bis es dunkel wurde, und sie kaum noch etwas sehen konnten.
Da konnten sie in einiger Entfernung eine Lichtung erkennen, die hell erleuchtet war. War das ihr Ziel ?War dort das Hexengrab? Aber wer war dort? Vorsichtig näherten sie sich der Lichtung, verließen dabei den Weg , um nicht frühzeitig gesehen zu werden, und schlichen durch das Dickicht. Langsam tasteten sie sich soweit heran, das sie am Rande der Lichtung waren und sehen konnten ,was dort war.
Tatsächlich musste es das Hexengrab sein. In der Mitte der Lichtung war ein aus Stein gehauenes Mahl zu sehen. Der riesige, etwa Drei Meter hohe kopf einer Frau mit großer Hakennase, pockennarbigen Gesicht, tückischen Augen, und einem schmalen, zu einer Art Lachen ,verzogenem Mund, der eine Tür zu bilden schien. Um ihn herum saßen mehrere Frauen, die der abgebildeten ähnlich waren, in dunklen Umhängen ,und wiegten ihre Körper zu einer Art Singsang, wie in Trance. Waren das Hexen? Aber ,da neben ihnen ,saßen schwarze Wölfe und Grendeltrolle, argwöhnisch die Gegend beobachtend.
„Oh oh “, meinte Thore „wie sollen wir denn da vorbei kommen. „Sehr gute Frage“, meinte Ronny trocken „immerhin scheinen sie uns noch nicht bemerkt zu haben“
Plötzlich ertönte hinter ihnen ein Knurren. Sie blickten sich um, und erstarrten vor Schreck: Hinter ihnen standen zwei schwarze Wölfe ,und sahen sie aus ,wie glühende Kohlen wirkenden orangeroten Augen an. Schnell sah Ronny sich um. Vorne der Platz mit den Hexen, hinter  sich die schwarzen Wölfe. Das gab nicht viele Optionen.
„Zur Seite. Wir trennen uns!“, rief er Thore zu, und schlug sich nach Rechts in die dichten Büsche. Thore zögerte keinen Moment und sprang nach links.
Auf allen Vieren kroch Ronny durchs Dickicht der Büsche .Er konnte noch die Lichtung sehen ,und hörte den Singsang. nun kam er am Weg an ,erhob sich und rannte darüber weg ,ins gegenüber liegende Dickicht, die schwarzen Wölfe hinter sich wissend. Er wusste eigentlich nicht genau, wohin er lief, versuchte aber darauf zu achten ,sich nicht zu sehr von der Lichtung zu entfernen.
Schließlich blieb er atemlos stehen, und blickte sich um. Die Wölfe schienen abgehängt zu sein, doch als er wieder nach vorne sah, waberte Nebel vor ihm, und bildete eine Gestalt, es war jene Frau ,deren Kopf dort auf der Lichtung abgebildet stand. Neblig wabernd stand sie vor ihm, und ihr Mund verzog sich zu einem boshaften Lachen, und zeigte hinter ihn. Er drehte sich um ,und sah noch mehr Nebel und zwei, nein drei Gestalten, und mit wachsendem Entsetzen erkannte er sie. Es waren seine Eltern, und der Schattenfürst, der ihnen Fesseln aus waberndem ,schwarzen Nebel angelegt hatte, und doch schafften sie es ,flehend die arme zu  in seine Richtung zu erheben.
„Nein, nein !“, schrei er „Das ist eine Täuschung. Ihr versucht mich zu täuschen und zu verunsichern. Neiiin!“   
Plötzlich wurde er von Hinten gepackt, und ihm schwanden die Sinne.
Thore sauste durch die Büsche, was einem Kater eben leichter fiel, als einem Menschen. Irgendwann machte er Halt und atmete durch. Er sah sich um. Offenbar war er erst einmal in Sicherheit. Da hörte in der Ferne einen Schrei: „Nein, das ist eine Täuschung…“ „Ronny, Ronny“, rief er, und rannte in die entgegen gesetzte Richtung los. Oder versuchte es zumindest. Doch er hatte auf einmal keinen Boden mehr unter den Füssen, und fühlte wie Klauen seinen Körper umfassten. Er sah nach Oben, und stellte mit Schrecken fest,das ein Nachtmahr ihn gepackt hatte. Und mit ihm über die Wipfel flog, bis er über der Lichtung war ,auf der die Hexen am Feuer saßen, und aufgehört hatten zu singen. Sie blickten erwartungsvoll nach oben .Der Nachtmahr stieß einen lauten, schrillen Schrei aus,ging tiefer ,und öffnete die klauen, und Thore fiel…

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