Sonntag, 5. Juli 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 4

Das Patrouillen-Boot kam näher. Es legte an unserem Boot an.
„Eine raue Stimme rief zunächst auf flämisch, dann auf Französisch, auf Englisch, schließlich in gebrochenem Deutsch: “Hallo, wenn jemand an Bord ist, soll er heraus kommen“
Wir zögerten, und verhielten uns ruhig. Die Briefe, fiel es mir siedend heiß ein. Die Unterlagen von Drees ,das Testament meines Vaters. All das dürfte ihnen nicht in die Hände fallen. Also was tun? Mir fiel ein Kunststoffbeutel mit einer langen Kordel  auf, der unter der Bank lag,- und ein Gedanke durchzuckte mich.
Dann wurde die Persenning aufgerissen, ein greller Strahl leuchtete uns ins Gesicht.
„Raus kommen“, bellte es uns in drei Sprachen entgegen.

Vor uns standen drei finster drein blickende vierschrötige Beamten, von denen zwei MP´s hielten.
„Vide, vide!“, schnauzte der vorderste, und wies auf ihr Boot. wo war Pierre?
Nachdem wir an Bord des Patrouillenbootes geklettert waren, fuhr es los. Wir saßen an Deck, bewacht von den Beiden Uniformierten mit den MP´s .An ein Entkommen war im Moment nicht zu denken. Ich hörte, wie drinnen einer funkte.
Die Fahrt ging wieder auf den Hauptkanal, dann dauerte es noch eine halbe Stunde, bis wir schließlich anlegten.

Wir wurden vom Kanalufer zu einem alten Gebäude in der Nähe geführt. Wo genau wir uns befanden, wusste ich gar nicht mehr .Wir wurden in ein Büro geführt, indem es ein wenig muffig roch. Der Raum war alt, der Fußboden aus Holz, die Wände weiß getüncht. Durch ein Fenster hinter dem Schreibtisch fielen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne herein, ansonsten beleuchtete eine eine nackte LED-Glühbirne den Raum. Der Schreibtisch selbst war ein klobiges Modell aus Mahagoni. Der Mann dahinter wirkte dafür zu klein. Er war ein kleines, schmächtiges Männchen mit blanker Glatze, etwa Fünfzig Jahre alt mit ebenso schmächtigem Gesicht, in dem eine lange Hakennase dominierte. Der Mund war schmal, und die kalten, grauen Augen hinter den randlosen, runden Brillengläsern, funkelten uns ungnädig an.
Wir wurden angewiesen, auf den Stühlen vor dem Schreibtisch Platz zu nehmen.

 „Mein Name ist Oberst Gablin“, begann er düster in gebrochenem Deutsch. .Seine Stimme klang schnarrend, und erinnerte ein wenig an das Gekrächze von Krähen. Er nahm eine Aktenmappe zur Hand, welche neben ihm lag, öffnete sie und entnahm ihr einen Steckbrief, den er uns hinhielt.
„Es sieht aus, als hätten sie eine frappierende Ähnlichkeit mit zwei Personen, nach dehnen dringend gefahndet wird, weil sie Staatsfeinde sind. Das sind sie doch oder?“
„Sie sagten doch gerade, wir haben eine große Ähnlichkeit mit ihnen“, entgegnete ich in unbedarftem Ton.“
„Lassen sie die Faxen. Das auf den Fotos sind sie!“
„Wenn, dann haben sie uns schlecht getroffen .Hab´ Bessere Fotos von mir zu Hause“, meinte Celia gleichgültig.
„Ihr Humor wird ihnen noch entgehen.“ Er wandte sich an mich: „Sie befinden sich im Besitz gewisser Dokumente. Sie werden sie mir aushändigen“
„Dokumente?“, fragte ich in gespieltem Erstaunen „Ich besitze keine Dokumente“
„Strapazieren sie nicht meine Geduld. Sie besitzen ein Testament und einen Brief, den sie hier vor Kurzem bekamen. Sie sehen, wir wissen sehr gut Bescheid, unser Geheimdienst arbeitet gut, umso glücklicher war der Zufall, der sie in unsere Hände gab.“

Innerlich erschrak ich ein wenig. Wenn es so war, dann könnten sie auch von Drees wissen. Da ich ihn nicht in Gefahr bringen wollte, sagte ich so unbedarft wie möglich: “Sie müssen sich irren. Ich  weiß nichts von Dokumenten Ich bin eigentlich nur als Tourist in Brüssel. Sie müssen mich verwechseln.“
„Das glaube ich nicht“, sagte er kalt, und beugte sich vor „Aber das werden wir gleich haben. Durchsuchen!“
Dieser Befehl galt den beiden Uniformierten, die die ganze Zeit mit im Büro gewesen waren. Nun zog mich einer von ihnen hoch, während der Andere meine Taschen durchsuchte. Danach musste ich meine Oberbekleidung ablegen.

„Nichts also“, meinte  Gablin enttäuscht „Aber…das Boot, das Boot, auf dem sie sie festgenommen haben. Nehmen sie sich zwei Männer, gehen sie zurück, und durchsuchen sie das Boot, und die nächste Umgebung, in der es lag.“, wies er den einen seiner beiden Untergebenen an.
„Und sie…“ und er wandte sich an  Uns „…bleiben unsere Gäste.“
Er nickte dem Zweiten zu, der uns bedeutete mit zu kommen. Draußen vor dem Büro kamen noch Zwei dazu, und zu dritt brachten sie uns in den Keller.“
„Leider haben wir keine Einzelzimmer für euch, aber ihr werdet euch sicher arrangieren.“, spottete der vordere Uniformierte.
Er zog eine schwere Tür auf.“ Rein da!“

Wir wurden in einen feuchten Keller gestoßen, die Tür wurde zugeworfen, und wir waren allein in dem Raum, in dem es nicht einmal licht gab. Nur durch ein kleines vergittertes Fenster drang etwas Mondlicht herein, so dass wir uns gerade zu Recht fanden. Die Wände waren aus nacktem Stein ebenso der Boden. An der Wand ertasteten wir eine Holzpritsche, auf die wir uns nebeneinander setzten.
„Das War´s dann wohl“, meinte Celia düster „Oder hast du eine Idee, wie wir hier wieder raus kommen?“
 Ich nickte deprimiert. Auch ich hatte keine Hoffnung mehr.
Schweigend saßen wir so nebeneinander .schließlich schlief Celia als erste ein, und legte den kopf an meine Schulter. auch mich übermannte bald der Schlaf, der aber nicht tief war.
Ich weiß nicht, wie lange genau wir  da so saßen, aber durch das Fenster konnte man die Sonne aufgehen sehen.

Irgendwann wurde die Tür zu unserem Gefängnis geöffnet. Barsch forderte uns ein Uniformierter auf, ihm zu folgen. Neben ihm war ein Zweiter, und gemeinsam führten sie uns wieder nach Oben, ins Büro von Gablin. Mein Herz begann zu rasen, denn mir fiel die Durchsuchung des Bootes an, die der Oberst gestern angeordnet hatte? Wie nun, wenn sie die Papiere gefunden hatten?
Doch das verdrießliche Gesicht, das der Kommandant unseres Gefängnisses machte, lies sich ablesen, das dies nicht der Fall war.

„Guten Morgen“, begann er „Ich hoffe, sie hatten eine angenehme Nacht. Leider haben eine Leute nichts gefunden, da das Boot schon weg war. Aber keine Sorge, wir werden sie schon finden, und ihnen nachsenden…Ach ja, sie wissen es ja noch nicht, sie werden noch heute in ihre Heimat überführt. Ihre Begleitung ist schon da. Er wies auf Zwei Männer in Uniform, die uns erst jetzt auffielen. Dann nahm er ein Papier zur Hand, unterschrieb es, und reichte es dem am nächsten stehenden Uniformierten.
„Hier ist das Schreiben an den Polizei-Präsidenten in Bremen.Und jetzt können sie sie mitnehmen.“
Der düster aussehende Beamte nahm das Schreiben an sich, und bedeutete uns mit ihm zu kommen. Sie führten uns zu einem Auto, einer Limousine mit der Kennzeichnung des Polizeiministeriums.

„Einsteigen!“, gebot einer der Beiden.
„mit dem Auto von hier ganz nach Deutschland?“, fragte Celia
„Natürlich“, gab der Uniformierte unwirsch zurück .unter den Augen weitere dort stehende Beamte stiegen wir in den Fond des Fahrzeugs, die Beamten vorne und fuhren ab.
Das Auto fuhr mit uns durch die Stadt, bis es schließlich vor einer kleinen Pension hielt.Der Fahrer hupte kurz , und wenige Minuten später öffnete sich die Tür der Pension und heraus kamen…Pierre und Drees!

Pierre trug Celias Reisetasche und eine kleine Tasche ,in der wohl meine paar Sachen waren. Er verstaute sie im Kofferraum ,und stieg dann zu uns ein. Drees blieb draußen.
„Ihr habt doch nicht gedacht, wir lassen euch im stich“ ,meinte Pierre grinsend. Nachdem sie euch geschnappt hatten, ging ich schnurstracks zu Drees ,und wir haben eure Befreiung organisiert. Ich darf euch übrigens Eric und Benoit vorstellen“

Die Beiden auf den Vordersitzen drehten sich zu uns um, nahmen ihre Mützen ab, und lächelten uns zu
„Leider hat es Gestern Abend nicht mehr geklappt, schaltete sich Drees ein aber nun seid ja wieder frei.“.
„Aber die Uniformen…“, begann ich.
„Einer unsere Leute ist Kostümbildner beim Theater .“
„Haben uns schon gute Dienste geleistet,  zum Beispiel bei der Beschaffung von Waffen und Munition“,. Sagte der Fahrer und Zwinkerte.
„Nun müsst ihr aber los“, meinte Drees „die werden Bald dahinter kommen, das sie geleimt wurden.“
Wir verabschiedeten uns von ihm und fuhren los.
„Wir bringen euch erst mal nach Frankreich. auf einem Gehöft in der Nähe der Französischen Grenze verbringt ihr die Nacht. Und dann bringen wir euch rüber“


Die Fahrt dauerte ein Paar Stunden. Unterwegs hatte man immer mal den Eindruck, das uns ein Fahrzeug folgte. Am späten Nachmittag kamen wir schließlich am ziel an. Es handelte sich um einen Bauernhof, in dem eine Pension untergebracht war. Wir bekamen ein rustikales Abendessen und gingen früh ins Bett. Welch ein unterschied zu der Zelle, in der wir die letzte Nacht verbracht hatten! Was stand uns noch alles bevor?…

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