Sonntag, 9. August 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 6

14.5.2025,gegen Mittag, irgendwo auf dem Mittelmeer

Ich bin extrem aufgewühlt, darum will ich jetzt schreiben, um mich zu beruhigen. Ich lasse die letzten Ereignisse vor meinem geistigen Auge noch einmal Revue passieren.
Unsere Gefängniswärter kamen. Die Zelle wurde aufgeschlossen, und Drei Männer, offenkundig Araber oder Nordafrikaner, kamen herein, alle in Uniformen.Einer ging den anderen beiden voran, sich wichtig vorkommend, wie ein Offizier.

Er ging zu Celia, nahm ihr Kinn, die Hand, und sagte: “Du wirst einen guten Preis bringen.“
Er wandte sich an seine Begleiter: “Nehmt sie mit, die anderen bleiben erst noch hier!“
"Celia, Nein, lasst sie hier!“, schrie ich, doch der vordere stieß mich zu
Boden, während die beiden Anderen, das sich wehrende Mädchen mitnahmen. Ich raffte mich auf, und versuchte noch einmal, ihr zu Hilfe zu kommen, doch der Anführer hielt mir eine Pistole unter die Nase.
„Übertreib es nicht.“, sagte er kalt.

Im nächsten Moment war es der Kapitän, der mich zurück hielt, und mir ins Ohr raunte: “Sei vernünftig. Jetzt hast du keine Chance, aber wir holen sie raus.“
Uns seine Waffe entgegen haltend ging der Anführer rückwärts zur Tür hinaus, die er anschließend verschloss.
„Und jetzt?“, fragte ich sauer „wie willst dun sie denn raus kriegen?“
„Junge“, sagte Jean „Die Liebe macht uns oft blind, aber hier braucht es einen kühlen Kopf. Ich bin nicht das erste Mal in so einer Situation. Warten wir noch ein Paar Minuten, dann geht’s los“ Dabei warf er seinen Leuten einen verschwörerischen Blick zu.

Fünf Minuten vergingen , dann fiel der Alte plötzlich in Ohnmacht .gleichzeitig pochte Bootsmann Alain, ein Mann, so dürr wie eine Bohnenstange gegen die Tür und schrie: „Hilfe, Hilfe, unser Käpt´n ist krank, es muss das Herz sein. Hilfe!“
Ich lief zu Jean hin, um ihm zu helfen, doch als ich gerade seine Vital-Funktionen überprüfen wollte, öffnete er kurz die Augen, und zwinkerte mir zu.
Eilige Schritte näherten sich, und die Tür wurde aufgeschlossen. Zwei Uniformierte kamen herein, und liefen zum „Kranken“, um ihm zu helfen, doch im nächsten Augenblick fiel die Schiffsmannschaft über die beiden her, und schlug sie nieder.

Wundersam erholte Jean sich wieder, erhob sich, und grinste mich an.
„Warum haben wir das nicht Gestern getan?“, wollte ich wissen
„Hatte ich gestern Nacht schon vor, doch da hab ich´s verpennt“, antwortete der Kapitän. „Und Heute Morgen kamen mir die anderen Drei dazwischen, die Celia geholt haben.Aber jetzt lass uns sehen, das wir hier raus kommen.“
Den bewusstlosen Wächtern wurden Waffen und Schlüssel abgenommen, dann verließen wir die Zelle, und schlossen sie ab.

Wir schienen wirklich in einem alten Lagerhaus gefangen zu sein, das aus Holz und Sandstein bestand. Nun eilten wir durch einen Korridor, in dem es muffig roch, und der schließlich in eine große Halle mündete, in der allerhand Schifffahrtzubehör gelagert war. Uns gegenüber lag der Ausgang. Glücklicher Weise trafen wir nicht auf weitere Wächter, und an der Ausgangstür leisteten uns die Schlüssel der, von uns nieder geschlagenen, Wächter gute Dienste.
Wir öffneten die Tür und traten hinaus an die frische Luft, die aber sehr warm war. wir befanden uns in einem Hafen. Lagerhäuser reihten sich aneinander, und wechselten sich hin und wieder mit Kränen an der Pier ab. Man roch das Wasser und hörte Möwen kreischen.
Jean wendete sich an seine Mannschaft: "Ihr sucht das Schiff, erkundet die Lage, und wartet auf uns. “
Dann wandte er sich mir zu: “Und wir gehen und suchen dein Mädchen. Sollten wir in einer Stunde nicht da sein, dann entert ohne uns und legt ab. Wir werden uns dann so durchbeißen“, war seine letzte Anweisung an seine Leute.

Die anderen nickten, und verschwanden in Richtung Hafen. Jean und ich gingen in die andere Richtung.
„Ihr kleiner Marktplatz muss zur Stadt hin liegen“, erklärte er. Wir liefen eine Weile in Richtung Stadt, vorbei an Sandstein-Gebäuden in typisch orientalischem Stil, auf staubiger Strasse, bis der Alte mich plötzlich in eine Gasse hinein zog.
Er wies mit der Hand auf einen reich gekleideten Araber, dem innerhalb kürzester Zeit noch zwei weitere folgten.
„So viele wohl habende Orientalen auf einem Haufen, das ist sicher kein Zufall. Wenn wir ihnen folgen, bringen sie uns wohl ans Ziel.“

Ich nickte, und wir folgten ihnen vorsichtig in sicherer Entfernung.
Es ging an einem kleinen Fluss entlang, durch ein Stück Geröllwüste, bis wir schließlich an den Ruinen einer antiken Stadt ankamen.
Nun ging es quer durch die Ruinenstadt, bis in der Ferne ein großer Platz auftauchte, der wohl eine Tempelanlage gewesen war.
Jean zog mich zur Seite, zu den Überresten einer eingestürzten Steinsäule hin, hinter der wir Deckung hatten, gleichzeitig aber alles sehen konnten.

Auf dem Platz waren um die hundert Männer in arabischer Tracht versammelt, die von Frauen bedient wurden. Sie saßen vor einer Art steinerner Bühne , vor der einige bewaffnete in sandfarbenen Tarnanzügen standen, und auf der mehrere Frauen in Ketten auf Stühlen saßen.Unter ihnen  auch Celia, die ganz Rechts saß. Daneben stand ein massiger Araber mit dunkler Haut, dessen Gesicht ebenso massig war, wie seine Figur. Auch er trug die Landestypische Tracht. Zu seiner Linken standen zwei grobschlächtige Männer in Tarnuniform, die wohl seine Helfer waren.
Ich zuckte, als ich meine Freundin da Oben sah, aber Jean hielt mich zurück.
"Bleib hier. Wird sowieso besser sein, zu warten, bis sie verkauft ist, dann brauchen wir ihnen nur zu folgen, und lediglich den Käufer zu überwältigen.“
Ich musste ihm zustimmen.

„Seid gegrüßt, Brüder“, rief der Dicke den Anwesenden auf Arabisch zu, das Käpt´n Jean mir übersetzte.
„Willkommen bei unserer Auktion, und ich beginne gleich mit einer lieblichen asiatischen Perle, die mit Sicherheit jeder von euch einen Teil seines Harems nennen möchte."
Damit gab er seinen Helfern ein Zeichen, und sie zerrten die, sich sträubende, Celia heran.
„Seht Brüder, seht diese Schönheit! Sicher wird euch diese Zierde jedes Harems einen entsprechenden Preis wert sein… „

Weiter kam er nicht, denn plötzlich ging alles in einem rumorenden Lärm unter, und es begann zu wehen. Wir sahen uns um, und erblickten zwei schwarze Hubschrauber, die sich langsam zur Erde senkten.
 Als die Helikopter gelandet waren, stiegen schwer bewaffnete, finster drein blickende, Männer in schwarzen Uniformen  heraus, die sich um den Platz verteilten. An den Hubschraubern befestigte MGs richteten sich auf die Menge.

Mit einem “Verflucht, dunkle Männer!“, zog mich der alte Kapitän weiter in Deckung.
Einige dunkle schritten, ein Offizier voran, zur Bühne. Ein Teil entwaffnete die Wachen vor der Bühne.
Die anderen stiegen hinauf, und gingen zielgerichtet zu Celia. Mit einem Griff entwanden sie das Mädchen den beiden  Helfern.

„Was soll das?“, fragte der Dicke wütend?“
„Nach dieser Frau wird in Groß- Europa gefahndet, darum nehmen wir sie mit“, antwortete der Offizier kalt. „Ihr seht ja, dass ihr keine Chance habt. Und jetzt:War ein junger Mann bei ihr?“
„Ja", antwortete der Auktionator eingeschüchtert." Er ist gefangen im Hafen“
„Woher wissen die ,das wir hier sind?“, fragte ich
„Totalüberwachung“, meinte Jean. „Mit Sicherheit haben die auch einen Agenten hier. Ah ja, das scheint er zu sein“

Er wies auf einen Araber, der ,unbemerkt von den anderen, bei einem der Helikopter stand ,und mit den schwarz uniformierten sprach .Nun wandte er sich wieder um, und ging zurück.

„Gut, sagte der Uniformierte herab lassend. Bring uns zu ihm, und ihr könnt eure kleine Auktion hier weiter führen.“
„Gibt es keine Entschädigung? Wir verlieren viel Geld“
„Besser als das Leben zu verlieren oder?“
Der dicke wollte resignierend gehorchen, da summte es plötzlich. Er zog ein Handy unter seinem Burnus hervor, und sah herauf. Seine Augen weiteten sich.
„Eine Nachricht, die Gefangenen sind entflohen."

Der Kapitän stieß einen Fluch aus.
„Merde, haben sie es früher gemerkt, als ich dachte. komm. Wir müssen schnell zum Schiff, und sehen, das wir weg kommen.“
„Aber Celia“, warf ich ein
„Die können wir jetzt doch nicht befreien, aber wir haben Leute im Widerstand, die raus kriegen können, wo sie sie hinbringen. Du kannst ihr nur helfen, wenn du frei bist.“
Ich musste dem Jean Recht geben, da ich sah, wie Celia von dem schwer bewaffneten zum Hubschrauber geführt wurde, und er Offizier, der offenbar der Kommandant war, rief:
„Ihr bringt das Mädchen in euren Hubschrauber und fliegt sie weg. Sie könnten versuchen, sie zu befreien, wir nehmen den anderen, und suchen die Entflohenen“


„Komm, machen wir, das wir weg kommen“,zischte Jean, und zog mich mit, während ich sah, wie der Hubschrauber mit Celia an Bord abhob, ich konnte sie kurz einmal am Fenster sehen, wie sie verzweifelt herausschaute, dann entfernte sich die Maschine rasch, und ich drehte mich um, und folgte dem Kapitän, in Gedanken bei ihr. Würde ich sie je wieder sehen? Vielleicht, aber nur, wenn uns jetzt die Flucht gelang…   

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