Sonntag, 23. August 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 8

15.05.2025,auf Malta

Es ist Morgen, in einer halben Stunde gibt es Frühstück. Gelegenheit ,um die restlichen Ereignisse des gestrigen Tages nieder zu schreiben.
Beim Anblick des, sich rasch nähernden Schiffes  fielen mir siedend heiß meine wichtigen Papiere ein. Das Testament ,und der Umschlag, den ich von Drees erhalten hatte. sie steckten jetzt in einen alten Rucksack, den ich bei unserer Abfahrt in Marseille bekommen hatte, und der nun an meinem Fußende lag.
Ich ergriff ihn, und ging ins Ruderhaus. Der Kapitän machte ein verdrießliches Gesicht
 „Ich fürchte, denen entkommen wir nicht.“, brummte er. „Gegen so ein Schiff hat unsere gute alte Monte Christo keine Chance.“

„Und“, meinte Alain „Wollen wir jetzt die weiße Fahne hissen?“
„Fällt mir nicht ein.“
„Was ist denn mit den Beiden Uniformen?“, warf ich ein „Könnte man damit nicht was machen?“
Das Gesicht des Alten hellte sich auf.
„Junge, du bist doch klüger, als man denkt“, meinte er vergnügt „Daniel, Cyrill, kommt doch mal.“
Die Beiden anderen Seeleute kamen.
„Geht mal nach unten in meine Kajüte, und holt die beiden uniformen, mit denen wir hier angekommen sind. sie müssten euch auch leidlich passen.“
„Und warum sollen wir sie anziehen?“, fragte Cyrill“
„Weil man mich und Toby schon kennt. Euch aber nicht, und das ist entscheidend für das Gelingen meines Plans.“

Die Beiden gingen, und kamen schon Bald wieder. Es stellte sich heraus, dass ihnen die Uniformen sogar besser standen als uns.
„Schön, sehr schön“, meinte Jean zufrieden „und nun hört zu…“
Schon kam das Kriegsschiff auf hörweite zu uns heran. Cosici , Alain und ich in Fesseln. Daniel und Cyrill in den uniformen und mit den Waffen, die wir erbeutet hatten hinter uns.
„Ahoi, Monte Christo“, scholl es zu uns herüber „Im Namen des Kanzlers, anhalten.“
„Kein Problem“, rief Cyrill, und trat mit uns ins Sichtfeld. „Wir haben hier alles unter Kontrolle. Wir hatten uns in Goletta an Bord geschmuggelt, und jetzt hatten wir die Möglichkeit, sie gefangen zu setzen.“
„Sehr gut, kam die Antwort vom Kapitän des Kriegsschiffes „Dann folgt uns am Besten jetzt nach la Valletta. Da könnt ihr uns die Gefangenen übergeben. Passt gut auf sie auf.“
„Das werden wir. Sie gut gefesselt, und bleiben es auch, bis wir auf Malta sind“

Das Kriegsschiff setzte sich in Bewegung, und wir folgten. Ich konnte kaum glauben, dass diese List geklappt hatte.
„Jetzt haben wir bis Malta die beste Eskorte, die wir uns wünschen können“, kicherte Jean, „Einer der besten Tricks, die ich mir je ausgedacht habe.“

So liefen wir Richtung Malta. Dieser Staat ist genau genommen einem Archipel im Mittelmeer aus drei bewohnten und drei unbewohnten Inseln. Es zählt mit einer Fläche von 316 Quadratkilometern zu den „Zwergstaaten“, und ist kleiner als die Stadt Bremen, aber  fast doppelt so groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Bis 1964 war es eine britische Kronkolonie, und im zweiten Weltkrieg ein wichtiger Stützpunkt, von dem aus die Nachschublieferungen an Rommels Afrika-Corps empfindlich gestört wurden. Versuche der Nazis die Insel-Festung zu erobern, blieben erfolglos.

Nach einiger zeit kam die Hauptinsel in Sicht. Kapitän Cosici, von den scheinbaren Fesseln wieder befreit, stand auf, lugte vorsichtig an deck, um von dem Kriegsschiff nicht gesehen zu werden, und sagte:
„Es ist soweit. Macht das Schlauchboot fertig, und schafft es auf die, ihnen abgewandte Seite.“
Jenes Schlauchboot war das Beiboot der Monte Christo. Ein für 10 Mann ausgelegtes Schlauchboot mit Außenbordmotor. Die Männer schufen es an die bezeichnete Seite.
Wir Beide waren im Ruderhaus.

„Hilf mir mal“, sagte Jean „Wir müssen das Ruder fixieren, damit das Schiff den Kurs hält“
Mit einem Seil banden wir das Ruder fest, dann griff ich meinen Rucksack, und wir gingen zu den anderen. die Bereits das Boot zu Wasser ließen.
„Los alle Rein. Ist zwar ein Jammer, unsere Monte Christo aufgeben zu müssen, jetzt aber unsere einzige Chance.“

Wir gingen ins Boot, und stießen uns ab. Alain warf den Außenborder an, und schneller Fahr entfernten wir uns.
„Kurs Nord, volle Fahrt“ rief der Kapitän „Bis sie den Schwindel gemerkt haben, müssen wir möglichst viel Wasser zwischen sie und uns gebracht haben. Haltet euch eng an die Küste, Zwischen den Klippen können sie uns schwer Folgen.“

Wir fuhren an der Küste entlang, vorbei an Valletta, hatten irgendwann die Insel fast passiert, als wir in eine Bucht einbogen, an deren Ende ein kleiner Hafen, mit einer alten Werft-Anlage war.
Ein paar alte Schiffe, vornehmlich Fischkutter, lagen hier an der Mole. Ein großes Wohnhaus und eine Bootshalle bildeten die einzigen Gebäude hier. Vor der Halle standen ein alter Kran, und mehrere Bootsanhänger, so wie ein wagen auf Schien, die ans Ufer führten, der dem Transport von Schiffen diente, die aus dem Wasser gehoben wurde. Als wir anlegten, kam ein kleiner, glatzköpfiger schmächtiger Mann, etwa Mitte Fünfzig, mit scharf geschnittenem, pockennarbigem Gesicht, und listigen, blauen Augen aus dem Wohngebäude auf uns zu.

„Ah, Marvin“, rief Jean „Grüß dich. Wir müssten mal wieder für die Nacht bei dir unterkommen.“
„Was ist es denn diesmal?“, antwortete der kleine mit schelmischem Lächeln.
„Dunkle Männer“, antwortete Jean „Hast du noch nichts von den Beiden gehört, nach denen sie Europa-weit fahnden? Der Junge ist einer von ihnen.“
„Doch, davon hab´ ich schon gehört .So heiß also?“, entgegnete Marvin, und musterte mich interessiert.
„Ja, sag mal, hast du es noch?“
„Hab ich was noch?“
„Na das besondere Schiff?“

„Ah das. Ja, das hab ich noch .Ist gut in Schuss, und trägt ihre Kennung.“
„Kannst du es uns leihen? Wir mussten unsere Monte Christo aufgeben. Sie dürfte jetzt mit in Valletta liegen, falls sie nicht auf eine Klippe gegangen ist.
„Im Prinzip schon. Ich müsste aber eine Sicherheit haben, das ich es wieder bekomme.“
„Und was schwebt dir da vor?“
„Euer Kahn .Wenn er in Valletta liegt, lass ich ihn  durch einen Strohmann  kaufen. Ansonsten, lass ich durch mein Bergungsunternehmen holen.“
„Damit bin ich einverstanden.“
„Gut, dann kommt erst mal rein. Gibt was zu essen, und zeige ich euch eure Zimmer.


Nach dem Essen ging ich früh ins Bett. Nun sitze ich hier, und schreibe dies nieder. Gleich geht es los. Ich bin gespannt darauf, welches Gefährt sie „es“ nannten, mit wir die Fahrt in neue Abenteuer aufnehmen werden.

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