Sonntag, 13. September 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 9

15.05.2025,Fortsetzung

Während ich dies schreibe, sind wir mit unserem neuen Schiff auf dem weg nach Italien. Voraus gesetzt, dass es keine größeren Zwischenfälle gibt, sollten wir gegen Abend in Grosseto ankommen. Es wird bald soweit sein.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück führte Marvin uns zur Bootshalle .Drinnen staunten wir nicht schlecht. Was da lag war ein altes Marine-Schnellboot, welches die Kennung des Regimes trug. An der Seite stand der Name „Sepia“.

„Damit solltet ihr relativ sicher nach Italien kommen.“, meinte unser Gastgeber lächelnd.
„Ja, Perfekt“, meinte Jean anerkennend. „Wenn ich denke, wie es aussah, als du es bekommen hast…Nun gut, wir sollten uns so bald wie möglich aufmachen.“
Marvin stimmte zu. Das Schiff wurde aus der Halle manövriert, betankt, und mit Proviant versehen. Wir nahmen abschied und fuhren los.

Der Kapitän hatte sich entschlossen, die Strasse von Messina zu nehmen, die am engsten Punkt zwischen Sizilien und der Spitze des „Stiefels“ verlief, den das italienische Festland bildete. In diesem, nicht ganz einfachen, Seegebiet sollten uns unsere Verfolger nicht unbedingt suchen, und wir konnten an der italienischen Küste entlang fahren. Jean hielt die Vorsicht für angebracht, da die dunklen Männer ihre Agenten überall hatten, und ich musste ihm zustimmen.

Ich musste während der Fahrt immer wieder an Celia denken, wo sie jetzt war, und wie es ihr ging. Was stellten sie mit ihr an, und lebte sie überhaupt noch? Doch ich vertrieb die Gedanken an ihren Tod. Und dennoch versetzte es meinem Herzen einen Stich, daran zu denken, dass sie nun allein dem ausgesetzt war, was immer man auch mit ihr tat.

Die Fahrt verlief weitgehend ohne Probleme. Einmal sichteten wir in einiger Entfernung eine Fregatte unserer Verfolger, doch sie fielen auf unsere Tarnung herein.

16.05.2025, Italien, Morgens auf Podere il Veggio

Nun sind wir hier, mitten in der Toskana. Ja, wie kamen wir dahin? Nun, gegen Abend kamen wir in Grosseto an. Jean hatte Funksprüche mit dem widerstand in Italien geführt, und so erfahren, das es einen Kontaktmann hier gab, der uns nach Seggiano und dann weiter zu Giacomo Fellieri bringen sollte. Jean erklärte, dass er auch italienisch sprach, und dolmetschen konnte, und mit meinem Französisch könnte ich auch schon durchkommen.

Der Kontakt hieß Paolo, und war in einer Hafenbar zu finden. Mit dem Code-Wort: “Morgenröte“ versicherte man sich, den richtigen gefunden zu haben.
Paolo erwies sich als ein beleibter Mann Mitte Vierzig, mit schütterem, schwarzen Haar und sonnenverbrannter Haut, die zeigte, das er oft im freien zu arbeiten pflegte .Er war mit einfacher Jeans und einem blauen Hemd bekleidet. Seine kleinen, dunklen Augen blickten neugierig und treuherzig in die Welt.

Mit einem alten Fiat-Transporter traten wir die ca. Siebzug Kilometer-Fahrt nach Seggiano an. Unterwegs sagte Paolo:
„Der Graf wird erst morgen früh zurück erwartet, ihr werdet auf Podere il Veggio erstmal übernachten“.
Er bediente sich dabei der französischen Sprache, die er leidlich beherrschte.
„Der Graf?“, fragte ich
„Ja, so wird er genannt. Übrigens hat er Informationen über eure Freundin, die sie geschnappt haben.“

„Ihr wisst, wo sie  ist?“, fragte ich erregt.
„Ja, er weiß es. Er hat mich angerufen, nach eurem Funkspruch Heute Morgen, hat er Erkundigungen eingezogen, und so wie ich ihn verstanden habe, hat er von Verbindungsleuten etwas über sie erfahren, und…aber was ist das denn?“
Er sah sich nach hinten um, und wir folgten seinem Blick, und sahen, was er meinte. eine dunkle Limousine folgte uns.

„Haben sie uns doch gefunden. Na gut, die hängen wir ab. Gegen so was haben wir vorgesorgt.“
Er gab Gas und jagte die kurvige Strasse entlang. Der Verfolger fuhr ebenfalls schneller.
Nach ein paar Minuten, kam hinter einer Kurve ein Feldweg.
„Festhalten!“, schrie Paolo, und riss das Steuer herum. Der Fiat, der für derartige Manöver eigentlich nicht gemacht war, legte sich rumpelnd und krachend in die Kurve, und fuhr in den Feldweg, um gleich darauf auf ein altes Gehöft ein zu biegen, und vor einer Scheune zu halten. Paolo stieg aus, und schob die Scheunentür auf, sprang wieder ins Auto, und fuhr hinein. Eine andere Person schloss das Scheunentor.

Wir stiegen aus, und sahen uns in der Halle um. Draußen hörten wir das andere Fahrzeug vorbei fahren. Neben Paolo stand nun ein kleiner, aber Muskulös gebauter Mann, Mitte Dreißig, der uns als Francesco vorgestellt wurde.
Nun sahen wir in der Scheune auch ein zweites Auto, einen Renault Scenic, den wir bestiegen, und damit wieder in Richtung Hauptstrasse fuhren.
Es wurde bereits dunkel, als wir in Seggiano ankamen. einer Mittelalterlichen Stadt, die sich auf einem Hügel befand.

Durch Zypressen-Alleen, und an Olivenhainen vorbei, fuhren wir nach Podere il Veggio, ein Landgut, das in der nähe Seggianos lag.
Hier wurden uns Zimmer angewiesen, und nach einem glas Wein und einem leichten Abendessen  gingen wir schlafen.
Doch ich kam nicht in den Schlaf. zu aufgeregt war ich, angesichts der Aussicht Morgen früh etwas über Celia zu erfahren. Wo wurde sie festgehalten und könnten wir sie befreien?...

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