Sonntag, 3. April 2016

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 16

26.5.2025, im Norden, Irgendwann,Fortsetzung

Auch am Polarkreis wärmen um diese Zeit Sonnenstrahlen im kurzen arktischen Sommer, welche den, sonst gefrorenen, Boden der Tundra aufweichen, und in sumpfige Flächen verwandeln. Durch diese Landschaft fuhren wir in einem alten Bus einem kleinen Dorf zu, das zum größten Teil aus Holzhäusern bestand.

Während der ganzen Fahrt, war Celia auffallend still und distanziert, ja geradezu spröde gewesen. Ich vermutete, dass das mit ihrer Haft zusammen hing, und hatte Verständnis. Daher nahm ich es hin.

Unsere Reise neigte sich nun dem Ende zu. Wir hatten das Dorf durchquert, und fuhren auf einen sanften , von einigen kleinen Lärchen bewachsenen, Hügel, außerhalb des Dorfes zu zu, auf dem  sich ein kleiner Bauernhof befand, der aus einem Holzhaus ,und einer hölzernen Scheune bestand.

Der Bus hielt vor dem Haupthaus an. Wir stiegen aus. Gleichzeitig öffnete sich die Tür des Hauses, und hinaus trat ein hochgewachsener, etwa Siebzig Jahre alter Mann in der Kleidung des Lappen-Volkes. Sein Körperbau war kräftig, das Gesicht scharf gezeichnet und wettergegerbt, und doch mit gutmütigem Ausdruck. Wach und freundlich blickend die hellblauen Augen.

Sein Blick fiel auf mich. Er reichte mir die Hand, und sagte in reinem Deutsch:
„Nun bist du also hier. Du hast es tatsächlich geschafft. Ich bin Finn Hjärtisson. Kommt herein. Wir müssen uns auf die entscheiden Schlacht vorbereiten.“

Wir betraten das einfach eingerichtete Gebäude. Hjärtisson führte uns durch das Wohnzimmer zu einer Treppe, die nach unten führte. Als er, unten angekommen, das Licht einschaltete, staunten wir nicht schlecht.

Hier standen ein großes Funkgerät, ein Computer und ein großer Flachbildschirm.
„Nun ist es an der Zeit, sich die Drei Umschläge anzusehen, die du gesehen hast. Jeder ist für sich wichtig, und alle Drei gehören zusammen.“

Ich nahm die Drei Umschläge aus meinem Rucksack, und legte sie vor uns auf den Tisch, um den wir Platz genommen hatten.
„Fangen wir mit dem von Drees de Gruyne an.“, meinte Hjärtisson, und griff nach dem dicken Umschlag. Er nahm einen Brieföffner und öffnete ihn. Zum Vorschein kam eine DVD-Box, die eine CD enthielt. Hjärtisson schaltete den Computer und den Bildschirm ein, und legte die Disc ein. Es erschien ein Bild, das mir den Hals zuschnürte.

Auf dem Schirm erschien ein älterer Mann mit braunem, grau meliertem Haar, freundlichen braunen Augen, und klugen Zügen, der zu sprechen begann:

„Mein lieber Sohn, den ich nie kennen gelernt habe,

Wenn du das hier siehst, bin ich tot, und ich bin sicher keines natürlichen Todes gestorben, selbst, wenn es so aussehen mag. Ich habe jedoch meine Vorkehrungen getroffen, und du, Tobias, stehst in ihrem Vordergrund. Du wirst dich nun fragen, warum ausgerechnet du, doch ich werde dich jetzt in das Geheimnis einweihen. Das vielleicht größte und brisanteste Geheimnis überhaupt.

Hat sich je jemand von euch gefragt, wer dieser geheimnisvolle Kanzler ist, der so bewundert und zugleich gefürchtet wird, und doch nie in der Öffentlichkeit auftritt? Nun, dann Tobias, mach dich bereit für eine Überraschung oder mehr für einen Schock, denn
DU BIST DER KANZLER!
Du bist es, seit ich tot bin. Darum sind sie hinter dir her. Darum wollen sie deiner habhaft werden.
Ich war der Kanzler. Ich habe das alles eingeleitet. Glaube mir, wenn ich sage, dass ich es so nicht beabsichtigt hatte, wie es dann gekommen ist.

Als ich dies einst begann, und alles aufbaute, hatte ich eine Vision. Eine Vision von einem besseren, vereinten Europa. Doch es wurde ein Alptraum daraus.

Du wirst dich fragen, warum ich nichts dagegen getan habe, wo ich doch der Kanzler war. Nun, zum Einen erlag ich der Illusion, ich könnte es noch selber ändern, doch dazu war es längst zu spät. Zum Anderen wusste ich nicht mehr, wem in meiner Regierung ich noch trauen konnte. und so ging ich im Geheimen in den Widerstand, und wurde einer seiner führenden Köpfe. Die Regierung hielt die Illusion vom geheimnisvollen Kanzler weiter aufrecht, weil sie ohne ihn ihre Macht nicht aufrecht erhalten hätte können.

In den anderen beiden Umschlägen, die ich dir geben lies, ist alles, was du zur Durchführung der Operation „Morgenröte“ brauchst.
Ist diese Operation erst einmal im Gang, so kann sie nicht mehr gestoppt werden, und wird zum Untergang des jetzigen Regimes führen, und dazu das politische System in seinen Grundfesten erschüttern.

Groß-Europa, so wie es jetzt ist, wird dann unwiderruflich aufhören zu existieren. Man muss, um etwas Neues, Besseres aufzubauen, das alte nieder reißen.

Wenn du dich entschließt Tobias, Morgenröte in Gang zu setzen, wäre es auch deine letzte Amtshandlung als Kanzler, doch du wärst der Wegbereiter einer neuen Gesellschaft. In deinen Händen liegt nun das Schicksal  dieser Gesellschaft. Mir ist bewusst, was ich dir aufbürde, doch bin sicher, du wirst das richtige tun. Ich wünsche dir von Herzen viel Glück, und die Kraft, diese Herausforderung zu bewältigen.“

Das Bild verlosch, und wir starrten uns fassungslos an. Mir war schlecht, um mich drehte sich alles .Das war doch verrückt! Ich der Kanzler? Ich sollte nichts weniger als eine Revolution in gang setzen! Mit zittrigen Händen griff ich nach dem Zeiten Umschlag auf den Tisch, und begann, ihn zu öffnen, da ertönte eine scharfe stimme.
„In Ordnung, dann wissen wir jetzt alles. Im Namen der Regierung Groß-Europas ihr seid verhaftet!“

Masslos entsetzt, sahen wir Celia an, die eine Waffe  auf uns gerichtet hielt, und uns böse anlächelte. In der anderen Hand hielt sie ein Handy, in das sie sprach:
Major, haben sie uns geortet? Gut, ich erwarte sie“…



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