Sonntag, 1. Mai 2016

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 17

Teil 3: Das Ziel

28.5.2025,Berlin

Hab ich das alles nur geträumt? So frage ich mich, aber dann sehe ich auf die Realität. Es schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Der allererste und wichtigste war, das ich es nicht fassen konnte. Celia, meine Freundin Celia war eine Doppelagentin? Hatte sie mich so täuschen können? War sie damals nicht zufällig mit ihrem Taxi dort gewesen, als die dunklen Männer mich aus der Anwaltskanzlei heraus verfolgten? Alles ein abgekartetes Spiel?

War sie ein trojanisches Pferd, mit dem die Schergen des Regimes den Untergrund zerschlagen, und diese Umschläge in ihre Hand bekommen wollten? Während ich darüber noch nachdachte kamen die dunklen Männer, und nahmen uns mit. Sie brachten uns zunächst in einen Hangar, dann in ein Frachtflugzeug, und schließlich nach Berlin, wo man uns in ein Gefängnis brachte.

Eine Weile saßen wir in einer Zelle, dann wurde die Tür geöffnet. Zwei Beamte kamen herein, und holten mich heraus.
„Wo bringt ihr mich hin?“, fragte ich.
„Zu jemandem, der mit ihnen reden will“, sagte einer der beiden kalt.

Sie brachten mich nach oben, und schließlich in ein großes Büro mit einem wuchtigen Eichen-Schreibtisch, auf dem eine Lampe und Computer standen, zusammen mit Schreib-Utensilien. Hinter dem Tisch stand ein großer Ledersessel, zwei Sessel davor. In einen wurde ich bugsiert, dann gingen die Wachen, und würden sich sicher vor der Tür aufstellen.

Erst jetzt fiel mein blick auf das Holzschild am Rande des Tisches.“Ernst Mordechai, Minister für Polizei und nationale Sicherheit“ stand darauf. Ich musste schlucken. Die finstere Persönlichkeit selber, wollte mit mir reden. Er hielt sich größtenteils aus der Öffentlichkeit heraus, und genauso geheimnisumwittert wie der Kanzler, dessen Geheimnis ich ja nun kannte. Noch ehe ich mir weitere Gedanken machen konnte, wurde hinter mir die Tür geöffnet, und, und jemand trat ein.

Er ging an mir vorbei, und hinter den Schreibtisch, wo er sich in den großen Sessel setzte, und mich scharf taxierte. Er war groß und schlaksig, war in eine schwarze Uniform gekleidet, und hatte schütteres, zurück gekämmtes, grauweißes Haar. Sein Gesicht war blass, mit hohen Wangenknochen, und scharfen Zügen, die durch die Adlernase noch verstärkt wurden. Kalte blaue Augen sahen mich an.

„Herzlich willkommen“, sagte er mit sonorer Stimme „sie sind also Alfred Kolbs Sohn. Ich freue mich, sie endlich kennen zu lernen, Kanzler“ Das letzte Wort sprach er mit ironischem Unterton aus.

„Mein Name ist Ernst Mordechai, auch wenn es nicht möglich sein sollte, aber ich meine, es gehört zur Höflichkeit, sich vor zustellen.“
„Nun gut“, antwortete ich lakonisch, „das haben sie ja nun getan.“
Mordechai lächelte
„Ironie oder Galgenhumor? Aber soweit sind wir noch nicht. Ich bin nicht blutrünstig. Sie haben ihr Schicksal und das ihrer Freunde selbst in der Hand. Aber sehen wir uns doch erst mal an, was sie von ihrer Reise mitgebracht haben.“

Er griff neben sich, und hatte meinen Rucksack in der Hand, aus dem er die drei Umschläge holte.
„Das Video“, und er hielten den dicken Umschlag hoch, „habe ich schon gesehen. Hoch interessant. Der alte Fred war wirklich ein gerissener alter Hund. Oh ich kannte ihn schon lange. Wir haben das alles zusammen aufgebaut, aber das haben sie ja schon gehört.“

Er öffnete nun den zweiten Umschlag, den von Fellieri, entnahm ihm einige Bogen Papier, und las danach, dann tat er dasselbe mit dem von Steinmann.

„Hmm, Interessant, aber nicht aufregend. Listen von Namen und Orten, aber sie deswegen quer durch Europa zu schicken? Möglicher Weise ist ein Code darin enthalten. Unsere Analysten werden das heraus finden.“

Nun fasste er mich scharf ins Auge
„Sie kennen die Bedeutung nicht, nicht wahr? Nein, sie haben  sie bisher nicht mal geöffnet.“
Ich zog es vor, zu schweigen.
„Gut“, meinte in ruhigem, fast freundlichen Ton. „ ist auch nicht nötig. Ich sagte vorhin, sie haben ihr Schicksal, und das ihrer Freunde in der Hand. Ich möchte ihnen ein Angebot machen. Wir brauchen sie, das Volk von Groß-Europa braucht sie, braucht seinen Kanzler.

Sehen sie, wir haben etwas geschaffen, haben Europa stark gemacht, haben es zu einer Großmacht gemacht, wo Wohlstand herrscht, wo Recht und Ordnung herrscht. Natürlich musste man da autoritär sein, musste hart sein gegen unsere Gegner, und musste die verschwinden lassen, die zerstören wollte, was wir geschaffen haben. Aber es muss ja nicht immer so sein.“

„Ihre Regierung hat schlimme Verbrechen begangen“, entgegnete ich
„Auch ihre, bedenken, wer sie sind, aber es war notwendig, um unser Ziel einer besseren Gesellschaft  zu erreichen „
„Eine bessere Gesellschaft? Das nennen sie eine bessere Gesellschaft?“
„Sein sie nicht so ein Moralapostel. Um ein Omelett zu backen, müssen Eier zerschlagen werden Ihr Vater hat das gewusst.“

„Interessante Moralvorstellungen, die ich aber nicht teile, und so überzeugt war mein alter Herr dann wohl auch nicht davon, oder warum hat er sich gegen sie gestellt? weil er wusste, das sie eine Diktatur errichtet haben, weil es ihnen nur um Macht ging.“

„In jeder Gesellschaft gibt es Herrscher und Beherrschte, alles andere ist Sozialromantik, aber wie dem auch sei, ich möchte ihnen etwas zeigen“
 Er zog ein Handy aus seiner Tasche, drückte auf eine Taste, und sagte nach gut einer halben Minute: “Schicken sie sie herein.“

Die Tür hinter mir öffnete sich, und jemand trat herein. Ich roch ein Parfum, das mir bekannt vor kam, und dann war die Person um mich herum gegangen, und stand neben Mordechai hinter dem Schreibtisch. Es war- Celia!

Sie lächelte mir zu. Mordechai musste den bösen Blick gesehen haben, den ich ihr zu warf, denn er lächelte spöttisch, und sagte ebenso:
„Sie dürfen ihr nicht böse sein. Sie hat sie nicht mit voller Absicht verraten.“ Und zu ihr gewandt: „Dreh dich um“

Sie wandte sich mir mit ihrer rechten Seite zu, und dann sah ich es: Da blinkte etwas blau in ihrem Ohr.“
„Ein Gedankenmanipulator, ein Prototyp, übrigens noch von ihrem Vater mit entwickelt. Beeinflusst die Gehirnströme, und ermöglicht das Eingeben von Befehlen. Gewissermaßen
Eine Art trojanisches Pferd, das wir in den Untergrund eingeschleust haben, nachdem sie in unsere Hand geraten ist. Darum haben wir auch zugelassen, dass wir sie befreien. War auch eine Idee ihres Vaters.“

Celia drehte sich wieder zurück.
„Sie sehen, wir haben die totale macht. Der Widerstand ist aussichtslos. Dieses kleine Spielzeug  geht bald in Serienfertigung, und auch noch andere. Denken sie über mein Angebot nach.“
Er nickte Celia zu. und sie ging um den Schreibtisch herum, und blieb vor mir stehen.
„Komm“, sagte sie, und führte mich heraus. Vor der Tür ging eine Wache  ging eine Wache mit. So wurde ich wieder zu unserer Zelle gebracht.

Vor der Zelle angekommen, holte der Wachmann den Schlüssel heraus, und schloss die Zelle auf, doch im nächsten Moment bekam er von Celia einen Karate-Schlag in den Nacken. Ohne einen Ton auszustoßen, sackte er zusammen. Sie nahm ihn auf, und lehnte ihn an die Mauer.

„Los, kommt raus!“, rief sie den anderen leise zu. Überrascht und misstrauisch sahen sie sie an.
„Du kannst doch nicht glauben, das wir dir noch trauen.“, sagte ich zu ihr
„Das versteh´ ich, aber wir haben nicht viel Zeit“, antwortete sie, und im nächsten Moment zog sie blau blickenden Stöpsel aus ihrem Ohr.

„Ist in der Tat ein Prototyp, aber ich glaube, die erwarten nicht, das das gute Stück gegen sie eingesetzt wird.“
„Ich sah sie verständnislos an, wie auch die anderen.
„Es wird euch alles erklärt, aber wir müssen jetzt schnell in den Hauptkontrollraum.“
Was sollten wir tun? Wir folgten ihr also, durch unzählige Gänge in einen Aufzug, dann wieder durch einen Korridor, der an den eines Krankenhauses erinnerte, bis wir vor einer schweren Tür waren.

„Erst mal hier rein, ihr müsst euch neu einkleiden.“
Der Raum, den wir betraten, war ein Lager, mit Regalen, in denen Uniformen, und auf anderen Waffen gelagert wurden.

„Wenn wir  es in den Kontrollraum schaffen wollen, müsst ihr deren Uniformen tragen, und keine Angst, euch vor mir auszuziehen, da gibt es nichts, was ich nicht schon gesehen habe.“

Die Kleidung war nach Größen geordnet, so dass es leicht fiel, etwas Passendes  zu finden. Während wir uns umzogen, erklärte Celia:
„Ich war damals nicht zufällig mit meinem Taxi dort. Ich habe Alfred versprochen, auf dich aufzupassen und dir zu helfen, das war kurz vor seinem Tod. Es war das letzte Mal, das wir uns sahen. Wir hatten uns damals einen Plan gemacht. Sein Vorteil war, dass er so völlig irrsinnig war.

Wir wussten, dass es nicht möglich gewesen  wäre, ihre Zentrale zu erstürmen, sie ist zu sicher, und so kamen wir auf die Idee, sie dazu zu kriegen, und selber hierher zu bringen. In sofern war meine Verhaftung geplant, allerdings nicht so, wie es dann gelaufen ist, und eine Zeit lang dachte ich schon, unser Plan wäre gescheitert.

Mordechai selbst kam nach Rumänien, und brachte das Gerät mit, das einer der wichtigsten teile unseres Planes war. Es war sehr viel Glück dabei, aber es hat geklappt, nicht zuletzt, weil Alfred Mordechai nur zu gut kannte. So schaffte er es ihn von seinen Prototypen zu überzeugen, und brachte ihn letztlich dazu mich zum trojanischen Pferd zu machen. Allerdings anders, als er denkt.“ Sie zwinkerte mir zu „Aber ich musste meine Rolle perfekt spielen. Daher musste ich euch auch verraten, damit sie euch hier bringen, wo ihr den entscheidenden Schlag führen könnt.“

Nun trat sie auf mich zu, schlang die Arme um mich, und ehe ich mich versah, spürte ich ihre Lippen auf den Meinen. Ich konnte nicht anders, legte meine arme um sie, und küsste sie ebenfalls. Ich empfand ein wohliges Prickeln, das meinen Körper  erzittern lies. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl.


Als  sich unsere Lippen wieder trennten, Strich sie mit dem Handrücken über meine Wange, und sagte: “Du hast doch nicht wirklich geglaubt, ich hätte dich verraten.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und war froh, als der alte Kapitän, sich räusperte, und sagte: „Vielleicht wäre es jetzt gut, sich wieder auf unsere Sache zu konzentrieren. Danach habt ihr sicher noch genug Zeit, zu… Ähem“

Wir lösten uns voneinander. Celia, sah mich an, und grinste.
„Machst dich gut in Uniform. Na los, machen, das wir zur Zentrale kommen.“
Wir nahmen noch von den Waffen mit, und zogen  los. Es ging noch ein Stockwerk höher. In den Uniformen konnten wir uns frei bewegen. Während wir den Gang in Richtung zur Zentrale entlang eilten, hörten wir im Lautsprecher eine Durchsage: “Es sind mehrere Gefangene entkommen“…Es folgte eine Beschreibung.

Ein schlechtes Gefühl beschlich uns, aber wir eilten weiter, und kamen schließlich, vor einer automatischen Tür an.
Celia griff in ihre Jackentasche, und zog einen Zettel hervor. 
"Mal sehen, ob der Code noch funktioniert". 
Sie gab einige Zahlen in die Tastatur neben ihn Tür ein. Ein Summen ertönte, und die Tür öffnete sich.

Innen waren eine Menge Schaltschränke und ein riesiger Computer.
„Brauchen wir nicht den Inhalt der anderen Umschläge?“, fragte ich
„Nicht nötig“, grinste Celia „ist alles hier drin.“, und sie hielt das blinkende Gerät aus ihrem Ohr hoch
"Die beiden Umschläge waren bloß Köder,aber keine Sorge, deine Reise war keinesfalls umsonst"

Im, nächsten Moment kamen zwei Uniformierte, und ein Mann in einem Weißen Kittel, die wir schnell überwältigen.
Celia ging zum Hauptcomputer, und drückte auf eine Stelle ihres Ohrstöpsels. Ein USB-Stecker schoss heraus.

„In Ordnung, jetzt gilt´s“ Sie steckte das Gerät in eine USB- Buchse des Computers „nun wird ein Virus drauf geladen, das die Sicherheitsvorkehrungen ausschaltet, und gleichzeitig ein Trojaner, der alle Daten und Informationen über das Regime einlädt und verbreiten lässt.“

Wir blickten auf den großen Bildschirm über dem Rechner. Brach jetzt eine neue Zeit an?...

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